Unser Dorf
Am Oberlauf der Weiß in einem weiträumigen Tal eingebettet liegt unser knapp 3000 Seelen Dorf, ein Ortsteil von Wilnsdorf. Ein Dorf wo Zusammenleben noch groß geschrieben wird, das zeigt sich auch in der Vielfalt des Wilgerdorfer Vereinsleben.

Der Ortsname ,,Wilgersdorf" wird vielfach von dem fast in Vergessenheit geratenen germanischen männlichen Vornamen ,,Wilger“ abgeleitet. Wilgersdorf ist 1344 im Mannbuch der Bicken erstmalig erwähnt worden. 1377 wurde Wilgersdorf in einer Siegelurkunde des Ritters Kolbe von Wilnsdorf genannt. Diese Erwähnung war Anlass der 600-Jahrfeier 1977, bei der sich die Dorfgemeinschaft bewährt und gefestigt hat.

,,Et wur verzahlt", so haben in der Regel die alten Leute mit dem Erzählen begonnen. Sie haben mit dem Hinweis gewissermaßen Erbe, Aufgabe und Verpflichtung erfüllt und verpflichtend weitergegeben. Der letzte aufschlussreiche Erzähler oder Berichterstatter der alten Wilgersdorfer Dorfgeschichte ist der Alte Zimmermann (1843 -1928) gewesen.

Wie schon gesagt, waren die ersten Ansiedler in jener ersten Zeit vom Rhein her, durch die Wetterau, längs Lahn und Dill in den Haigerer Raum und damit auch in die Randgebiete des Siegerlandes an Westerwald, Kalteiche und Rothaargebirge gekommen, um Erz und Eisen zu finden. In der Kalteiche an ,,Sinnerhöfchen, Eulenberg, Wildenstein und Donnerhain" hatten die Ankömmlinge sich hierzulande zunächst angesiedelt. Nach damaligen Maßen und Möglichkeiten hatten sie dort Haus und Hof gebaut, Viehzucht und Ackerbau betrieben, Erz und Eisenstein gegraben und geschmolzen und die Metalle geschmiedet. Das härtere Eisen war zur Anfertigung besserer Werkzeuge, Waffen und Geräte sehr begehrt. Die Eisenzeit war zugange.

Nur einige tausend Schritte vom Südrand bis an den Nordrand der Kalteiche sollen die Eisenleute damals zurückgezogen sein und sich hier im oberen Weißtal neu angesiedelt haben. Am Abhang des Stockelandes zwischen Weißbach und Immelsbach, wo sie aus den Bachläufen das Wasser hangentlang führen konnten, und wo der günstige Westwind in ihren lehmgeformten Schmelzöfen, Windöfen genannt, die Feuerglut anblies, hatten sie auf neuen Eisenäckern neue Bleibestätten gefunden.

Die Windöfen, oder als verbesserte Gebläseöfen, ,,Rennöfen" genannt, standen in jenen Zeiten am Bergeshang über dem nach Westen hinunter weit offenen Weißtal.

Seitdem ist Wilgersdorf, schon nach damaliger Wertschätzung in einem sogenannten siedlungsfreundlichen flachen oberen Talschluss, nahe der frühgeschichtlichen Fernwegstreckenführung über Kalteiche und Haincher Höhe gelegen, wahrscheinlich eines der ältestens Dörfer hierzulande. Zwischen den ,,Weißtgärten" an der Weiß und den ,,Viehwegsgärten" am Immelsbach, sowie auf dem Hangrücken der ,,Unseren Alten Brase" an der ,,Alten Wies" sollen die ersten Wohn-und Arbeitshütten jener, angeblich nach ihrem damaligen Anführer ,,Wilger" benannten ersten Wilgersdorfer gestanden haben. So ist im wesentlichen die Geschichte von der Entstehung von Wilgersdorf vom Volksmund bis in unsere Zeit hinein erzählt worden.

Die alten Flurnamen ,,Am Rennche", ,,Am Eisenacker" und ,,Auf dem Stück" von den Plätzen, an denen der Eisenstein geschmolzen und das flüssige Metall durch die Schmelzofenrinnen zu Gußeisenstücken in die Lehmformen geronnen ist, sind noch Überbleibsel aus jener ersten Zeit und nachfolgender Zeitabschnitte der Wilgersdorfer Vergangenheit. Bodenfundstücke und Spuren im Boden, Eisenschlacken und ziegelrot gebrannter Lehm, sind offensichtlich sprechende Tatsachen, mithin Wahrheitsbeweise oder Wahrscheinlichkeitsbeweise zu den mündlichen Überlieferungen aus den alten Zeiten. Das um 1930 bei Geschichtsforschern bestehende Misstrauen gegen die mündlichen Überlieferungen ist durch die inzwischen gesammelten Erfahrungen der planmäßigen Bodenforschung längst beseitigt worden. Die sogenannten hinterlassenen ,,Handschriften" im Erdboden haben die Richtigkeit vieler mündlicher Überlieferungen bestätigt."

Ortgeschichtliche Flurnamen sind ,,Großenacker", ,,Hofacker" und ,,Sünnerborn". Bei der Urkatastervermessung und der Anfertigung des ersten Wilgersdorfer Fluratlasses zu Anfang des vorigen Jahrhunderts sind ortgeschichtlich inhaltsvolle Flurnamen leider untergegangen oder bei der Übersetzung aus der hiesigen Mundart in die hochdeutsche Schriftsprache verändert und nichtssagend entstellt worden.

Die Wilgersdorfer Gemarkung zählte seit alters her zu den größten Gemarkungen und -ohne Forstfiskus -auch den größten Dorf-oder Bauemgemarkungen. Die Größe ist durch Landhinzugewinn von den untergegangenen Dörfern oder Wüstungen Wampelshausen, Rindsberg (Ryntzberg) und Donnerhain in der Kalteiche entstanden. Beweise darüber waren bis zum Umlegungsverfahren im Jahre 1932 die verschiedenen Haubergbezeichnungen der Wilgersdorfer Genossenschaft (Wilgersdorfer, Wampelshauser, Rindsberger und Sporkenberger Hauberg), mit den unterschiedlichen Maß-und Werteinteilungen. Der Sporkenberger Hauberg, rechts des oberen Weißbaches gelegen, sowie Wilgersdorfer Wiesenbesitz in der ,,Waldwiese" im oberen Wildebachtal unterhalb der ehemaligen ,,Grube Mane" am Metzelersrücken, stammte Lageplanmäßig aus der ehemaligen Gemarkung Donnerhain.

Nach der ersten vorhandenen Siegener Renteirechnung von 1461 hatte Wilgersdorf damals 17 Steuerzahler. Die Anzahl wird zugleich die der Häuser oder Feuerstellen gewesen sein. Wilgersdorf stand damit mit noch 4 gleichgroßen Dörfern an 14. bis 18. Stelle unter den in der Rechnung aufgeführten Orten.

Inzwischen beträgt die Anzahl der Häuser ca. 660 und die der Bewohner ca. 3.000.

An dem regen Häuserbau in Wilgersdorf ist zu erkennen, dass der Ort nicht nur in jener Frühzeit, sondern auch noch jetzt als siedlungsfreundlich wertgeschätzt wird.

Noch vor rd. 200 Jahren bestand Wilgersdorf lediglich aus dem eigentlichen Dorfkern sowie den Siedlungsbereichen ,,Wilgersdorfer Mühle", ,,Forsthaus Zollhaus-Kalteiche" und ,,Grube Neue Hoffnung". Die Mühle ist inzwischen durch Neubauten lückenlos mit dem Dorf verbunden, das Forsthaus vor einigen Jahren nach einem Neubau anderenorts abgebrochen und damit auch als Ortsteil gelöscht worden.

Wilgersdorf ist altes Bergbaugebiet mit zahlreichen kleinen Gruben gewesen. Die einzige größere Grube, gewissermaßen auch schon eine Verbundgrube, war seit 1882 die ,,Neue Hoffnung" bzw. ,,Viktoria", die sich um die Jahrhundertwende zur Vollblüte entwickelt hatte. 1913 wurde dieser Grubenverbund ,,Neue Hoffnung, Viktoria und Landeskrone" unerwartet stillgelegt.

Neues Leben erblühte inzwischen auf den Ruinen. Das ehemalige Betriebsführerhaus ist inzwischen nach baulicher Erweiterung
ein Schwestern-Erholungsheim geworden. Im ehemaligen Grubenbereich sind Sportplatz, Schützenheim, Tennisplätze mit Clubheim und einige Jugendheime entstanden.
WILGERSDORF
am Rothaarsteig