Tagesbruch in Wilgersdorf

Grube »Neue Hoffnung«
Wilgersdorf, 04.Dezember 2004

450-Meter-Schacht lauert unter Krater

Bergamt und Ordnungsamt sicherten gestern Tagesbruch / Verfüllung kann teuer werden
Wilgersdorf. Vorsicht ist spätestens seit Donnerstag rund um das Gelände des Naturschutzgebietes »Neue Hoffnung« angesagt:

450 Meter tief ist der Schacht, der sich unter oder unmittelbar neben dem Krater verbirgt, der sich am Donnerstag auf dem Gelände der ehemaligen Wilgersdorfer Grube »Neue Hoffnung« (die SZ berichtete) auftat.

Das erklärte Norbert Vierhaus vom Bergamt Recklinghausen. Der Bergbauexperte hatte sich gestern vor Ort einen Überblick verschafft.
Krumm, seit 1999 im Amt, war sich gestern jedoch nicht sicher, ob die Wilgersdorfer Waldgenossen damit gleichzeitig auch Rechtsnachfolger seien. An den Schachteinsturz im Jahr 1983 kann sich Krumm jedenfalls noch gut erinnern. Als Kind habe er damals Steinchen in den Schacht geworfen. Für die Kosten der Verfüllung sei die Haubergsgenossenschaft damals nicht aufgekommen, erklärte Krumm. Die gesamte Aktion inklusive Bezahlung habe das Bergamt übernommen.

Über insgesamt zwei Schächte habe die Grube ursprünglich verfügt. Der ältere »nur« 178 Meter tiefe Schacht befindet sich demnach nur einen Steinwurf vom Wilgersdorfer Sportplatz entfernt. Verborgen unter einer Schicht Erde und einer Betonplatte, die nach einem Tagesbruch im Jahr 1983 gegossen worden war. Aber auch der jetzt betroffene 450-Meter-Schacht sei schon einmal eingestürzt, erklärte Vierhaus. Und zwar 1973. Damals wurde der Tagesbruch mit großen Mengen Haldenmaterial verfüllt. Anschließend wurde der Schacht mit einer Betonplatte verschlossen.

Ob sich der senkrecht abfallende Schacht direkt unter dem mittlerweile mit Wasser gefüllten Krater befindet oder in seiner unmittelbaren Nähe, konnte Vierhaus gestern nicht sagen. Auch über die Ursache des Erdrutsches konnte der Bergbaufachmann gestern keine Auskunft geben. Vielleicht, so Vierhaus, seien die Schachtwände defekt. Oberflächenmaterial könnte dann in den Schacht nachrutschen. Überprüft wird die Sachlage am Montag. Gemeinsam mit dem Wilnsdorfer Ordnungsamt habe er den Tagesbruch gestern in Augenschein genommen, erklärte Vierhaus. Der Bauhof der Gemeinde Wilnsdorf sicherte den Krater daraufhin erst einmal mit einer Umzäunung und Warnschildern ab.

Im Anschluss an die Untersuchungen, die am Montag anlaufen sollen, wird sich entscheiden, wie der Tagesbruch verfüllt werden kann. Ein Verfahren, das für den aktuellen Eigentümer des Geländes kostspielig werden kann. Vierhaus erklärte, dass sich der Rechtsnachfolger der ehemaligen Grubeninhaber -nach SZ-Recherchen wurde das Bergwerk zuletzt von einer englischen Gesellschaft betrieben- um die Sicherung des Tagesbruchs kümmern muss. Eigentümer des gesamten Naturschutzgebietes ist inzwischen jedenfalls die »Waldgenossenschaft Hauberg Wilgersdorf«, wie deren Haubergsvorsteher Ulrich Krumm gestern gegenüber der SZ bestätigte.             

Text: Siegener Zeitung,  4.12.2004,  Seite 6
Foto Grubengebäude,  ca. 1909,    Haldengelände 2005
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